Was künstliche Intelligenz mit Saugrobotern gemeinsam hat


Ich muss Ihnen eine kleine Sommer-Beichte ablegen. Gerade jetzt, wo die Tage vielleicht einen Hauch ruhiger sind, ertappe ich mich bei Verhaltensweisen, die mir seltsam bekannt vorkommen. Genauer gesagt: Mein Umgang mit neuen Technologien am Arbeitsplatz gleicht frappierend meinem Lernprozess bei Haushaltsgeräten.

Fangen wir bei den absoluten Grundlagen an – dem Geschirrspüler. Trotz aller subtilen und weniger subtilen Erziehungsversuche meiner Mitbewohnerinnen kann ich es einfach nicht lassen, ihn immer wieder umzuräumen. Meine (zugegebenermassen steile) These lautete, dass Maschinen schliesslich einst von Männern erfunden wurden und ich daher quasi genetisch bedingt besser weiss, wie man dieses Wunderwerk der Technik einräumt. Mein Ziel ist schlichtweg höchste Effizienz. Und wenn der Winkel der Teller stimmt und die Gefässe am richtigen Ort stehen, passt einfach mehr rein.

Dann gibt es da noch die Technik-Illusion. Lange bevor es Fensterputz-Roboter gab, kaufte ich mir sehr früh so einen feinen Fenstersauger von Kärcher. Meine feste Überzeugung beim Kauf: Mit diesem Hightech-Gerät in der Hand werde ich die Fenster viel öfter putzen! Das war natürlich nicht der Fall. Ich reinigte die Fenster genauso selten wie zuvor. Aber die wenigen Male fielen mir mit dem Sauger in der Hand immerhin deutlich leichter.

Doch meine spannendste Erkenntnis verdanke ich meinem Saugroboter – einem Modell, das nicht nur saugt, sondern selbstverständlich auch feucht aufnimmt. Letzthin schimpfte ich mit ihm wie mit einem kleinen Kind, weil er zweimal gegen den Besen fuhr, den ich nicht weggeräumt hatte und der ihm im Weg stand. Und das, obwohl er eigentlich ausreichend Sensoren haben sollte! Heute wiederum suchte ich ihn im ganzen Haus, weil er den Weg zurück in sein «Home» nicht gefunden hatte. Ich spürte ihn schliesslich auf wie ein ausgebrochenes Meerschweinchen hinter viel Blattgrün auf und vermisste die Funktion, dass er auf Rufen wie "Hey Robo" nicht reagiert. Sie sehen: Ich habe meine technischen Spielereien im Alltag bereits bestens integriert.

Gleichzeitig habe ich aber noch eine weitere faszinierende Eigenschaft an mir entdeckt: Ich schaue diesem kleinen Kerl wahnsinnig gerne bei der Arbeit zu. Es hat etwas ungemein Erholsames. Ich analysiere, wie er zielsicher einen winzigen Fleck auf dem Boden erkennt, heldenhaft mehrmals (und völlig erfolglos) darüberfährt – und im exakt gleichen Moment ein dickes Staubbündel komplett ignorieren kann.

Und genau hier schliessst sich der Kreis zur Gegenwart. Neulich sass ich am Schreibtisch und habe mich bei exakt demselben Verhalten ertappt. Ich hatte einer künstlichen Intelligenz eine komplexe Textanalyse in Auftrag gegeben. Und anstatt die gewonnene Zeit zu nutzen, sass ich da und schaute der KI einfach nur zu. Ich beobachtete hochkompetitiv, wie sie mir die weiteren Schritte erklärte, Dokumente abglich und sich überlegte, was als Nächstes zu schreiben sei. Während die Maschine rechnete, sass ich untätig da, anstatt parallel in einem anderen Fenster schon die nächste Aufgabe vorzubereiten. Eine faszinierende Saugroboter-Trance am Schreibtisch.

But seien wir ehrlich: Es liegt im Moment nicht nur an meiner eigenen Ineffizienz als Zuschauer. Die Wahrheit ist doch, dass wir uns gesamtgesellschaftlich und auch in der Arbeitswelt in einem gigantischen Lernprozess befinden.

Wir probieren aktuell wild aus, welche KI uns bei welchen Tätigkeiten wirklich hilft. Wir müssen erst lernen, wie wir die Befehle richtig eingeben müssen, damit am Ende kein Kauderwelsch herauskommt. Oft genug ertappe ich mich bei dem Gedanken: Hätte ich das jetzt selbst geschrieben, wäre ich längst fertig! Stattdessen verbringe ich mehr Zeit damit, der Maschine die passenden Korrekturen zu diktieren. Dieses ständige Ausprobieren und Testen ist anstrengend, aber es wird hoffentlich irgendwann ein Ende haben, sobald wir uns in diesem Bereich ausreichend fortgebildet haben und die Prozesse sitzen.

Spätestens dann wird es sich extrem auszahlen für diejenigen, die diese Phase genutzt haben, um die neuen Arbeitshilfen in ihre Abläufe zu integrieren.

Aktuell nutzen wir im Zentrum für Verbandsführung beispielsweise sechs oder sieben verschiedene KIs für unsere tägliche Arbeit. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, ist das auch völlig logisch. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren oder durch dieselbe Maschine jagen. Schliesslich nutzen wir im Haushalt ja auch nicht denselben Robotertyp, um das Geschirr abzuwaschen, den Boden zu saugen oder die Fenster zu reinigen. Es braucht für jede Aufgabe das richtige Werkzeug.

Aber eines ist klar: Allein aus der Zuschauerrolle heraus lernen wir nicht, diese Helfer richtig einzusetzen. Wir müssen sie aktiv nutzen, ausprobieren und im Alltag herausfinden, wo und wie sie uns wirklich weiterhelfen. In unserem Team haben wir in unserem wöchentlichen Meeting («Weekly») daher das stehende Traktandum «Learnings» eingeführt. Dort tauschen wir uns regelmässig darüber aus, was wir neu gelernt und entdeckt haben. So entwickeln wir uns gemeinsam stetig weiter – für unser Team, für unsere Verbände und für all unsere Kunden.

Was künstliche Intelligenz mit Saugrobotern gemeinsam hat
ZfV - Zentrum für Verbandsführung AG, Martin Diethelm 15 juillet 2026
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